12.06.2014

Peak Soil

Ein Beitrag von Christoph Peschke

Liebe Junge Ökologen,

mein heutiges Thema lautet „Peak Soil“ - in Anlehnung an den allseits bekannten Begriff Peak Oil. Peak Soil, also die maximale Nutzbarkeit des Bodens, wird meines Erachtens unter den aktuellen Bedingungen nicht zu vermeiden sein. Wenn wir ehrlich sind, ist er „virtuell“ auch schon längst überschritten. Wir müssen bedenken, dass heute schon 7 Milliarden Menschen auf der Erde leben und Prognosen von 9-12 Milliarden zukünftig ausgehen. Das Problem dabei ist nicht die Menge, sondern auch unser Wille, dass allen Menschen die gleichen, möglichst hohen, Lebensstandards zustehen sollten! Was aber tun? - Die Probleme sind wie immer komplex und vielfältig. Ich möchte hier nur ein paar Oberbegriffe nennen:

  • Versiegelung durch Urbanisierung
  • Desertifikation (sprich Verwüstung)
  • Erosion der fruchtbaren oberen Schicht
  • Versalzung, aber auch Wassermangel und Fehlnutzung von Wasser

 

 

So vielfältig der nutzbare Bodenverlust ist, so vielfältig sind auch die Ursachen. Selbst mit den sich im Norden durch den Klimawandel neu ergebenden Flächen, gibt es insgesamt einen Verlust. Wir bräuchten aber einen Flächengewinn. Da fühlt man sich schon ohnmächtig, aber deswegen aufzugeben, wäre das falsches Signal. Denn auch bei den Lösungsstrategien gibt es eine große Vielfalt. Einen Ansatz davon möchte ich euch näher bringen, frei nach der Rockband Die Ärzte: „Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist wie sie ist, es wärʻ nur deine Schuld, wenn sie so bleibt“. Denn wir Junge Ökologen sind nicht nur Wutbürger sondern auch Mutbürger!

 

Ich möchte euch eine Möglichkeit vorstellen, wie „Peak Soil“ verhindert bzw. umgekehrt werden kann. Diese nennt sich „Urban Gardening oder Farming“, zu deutsch: städtisches Gärtnern oder Landwirtschaften. Dies stellt dabei klar nicht die Lösung dar, sondern ist lediglich als ein Baustein zu betrachten. Aber ein sehr schöner und interessanter wie ich meine. Geht nicht sagt ihr? - Wenn man glaubt, damit sich autark in einer Stadt ernähren zu können, habt ihr sicherlich Recht. Aber wollen wir das überhaupt? Ist es nicht besser eine Vielfalt zu bewahren, wo das städtische Gemüse nur ein Teil des Ganzen ist? Daher ist es für mich eher eine Möglichkeit außergewöhnliche Oasen zu schaffen. Und wenn es hilft den Druck auf die Landfläche zu mildern, umso besser! Die Möglichkeiten vorhandener Ideen und Visionen sind schier unendlich. Man denke nur an einen richtigen Garten mit Gurken, Salat oder gar einen Obstbaum auf einem Flachdach.

 

 

Ich möchte hier gar nicht so viel über machbare oder zunächst schwer umsetzbare Einzelprojekte sprechen, das überlasse ich euch eurer eigenen Vorstellungskraft. Urban Gardening ist aber auch mehr als nur das Essen direkt in der Stadt herzustellen. So wäre ein Gemeinschaftsgarten auch ein Ort, wo Visionäre und Querdenker, Alte und Junge, Alteingesessene und neu Zugezogene miteinander in Kontakt kommen und sich austauschen können. In vielen Städten, wie ich in Würzburg selbst erfahren habe, fehlt ein dauerhafter zentraler Ort des Austausches jenes Spektrums. Ich denke, es wäre ein Gewinn für die Stadt so einen Ort mit einer Gemeinschaftsaufgabe zu schaffen. Weiterhin kann und soll das Bewusstsein für den Wert der Lebensmittel gesteigert werden, so habe ich den Eindruck, dass gerade in Deutschland hauptsächlich der Preis bei der Ernährung zählt. So kann ich mir auch vorstellen, dass Kindergärten oder Schulklassen eine eigene Parzelle bewirtschaften oder Projekttage an diesem Ort durchführen. Weiter interessant erscheint mir, dass man beispielsweise Asylbewerber dazu ermutigt ihr heimisches Wissen mit einzubringen, um so auch Kontakt zu den Bürgern vor Ort zu erhalten und die Integration leben zu lassen. Passendes Stichwort hierzu: Interkultureller Garten. Das Ganze ist natürlich, auch wenn es in anderen Städten (berühmt ist hierbei der Prinzessinnengarten in Berlin) schon länger realisiert ist, Pionierarbeit und das Experimentieren dabei aber auch ausdrücklich erwünscht. Dabei darf es gerne auch skurril und auf den ersten Blick sinnlos erscheinen. Zum Schluss möchte ich noch erwähnen, dass man meinen könnte, eine Stadt sei eine tote Umweltzone. Studien aber zeigen, dass hier sehr wohl eine ausgeprägte Artenvielfalt, je nach Art auch wesentlich größer als auf dem Land, vorzufinden ist. Und ich meine damit keine Schädlinge oder Plagegeister.

 

 

IN DIESEM SINNE: LASST DEN BETON BLÜHEN! DANKE!