15.06.2017

Gelber Sack oder Wertstoffhof?

Stellungnahme der JÖ zur Diskussion über den Gelben Sack

Immer wieder gibt es in unserem Land die Diskussion über die Wertstoff-Erfassung in Haushalten. Zu den Wertstoffen zählen Verpackungen aus Plastik, Aluminiumverbund und Tetrapack, teilweise werden auch Konservendosen eingeschlossen. Da stellt sich mancherorts die Frage, soll das bisherige Bring-System mit Wertstoffhöfen beibehalten werden, oder nicht? Zum Beispiel in meiner Heimat, den Haßbergen (Bayern) gibt es Wertstoffhöfe zu denen die Bürger ihre Wertstoffe sortiert anliefern (Bringsystem). In den benachbarten Landkreisen dagegen herrscht ein Holsystem mit einem gelben Sack bzw. einer gelben Tonne vor.

Meiner Meinung nach lenkt die Diskussion über Wertstoffhöfe und gelbe Säcke vom eigentlichen Hauptproblem nur ab. "Nicht das Sammelsystem muss geändert werden, sondern das 'Müllentstehungs-System' und zwar hin zu mehr Möglichkeiten für abfallarmes Einkaufen in der Region", so sagt es auch der lokale ÖDP-Vorsitzende Stefan Zettelmeier in der jüngsten Pressemeldung der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) Haßberge.

Wirft man einen Blick in die regionale Abfallwirtschaftssatzung, die es in ähnlicher Form wahrscheinlich überall gibt, entdeckt man gleich am Anfang, dass „Jeder […] die Menge der bei ihm anfallenden Abfälle […] so gering wie nach den Umständen möglich […] zu halten“ habe. Das bedeutet für jeden Bürger und den Landkreis, dass die Abfallvermeidung vor der Abfallentsorgung im Fokus stehen muss. Diesem obersten Ziel würde der Gelbe Sack mit einer weiteren Abfallproduktion fundamental entgegenlaufen. Im Beispiel-Landkreis Hassberge würden bei einer zweiwöchigen Abholung von 35.000 Haushalten pro Jahr nahezu eine Million zusätzliche Plastiksäcke produziert! Schlägt man das auf die ganze Bundesrepublik mit angenommen 40 Millionen Haushalten um, bedeutet ein Abholsystem mit gelben Säcken eine jährliche Tütenproduktion von ca. 1 Milliarde Stück nur für den Müll.

Außerdem vermindert die Nutzung des gelben Sackes die Reflexion des eigenen Einkaufverhaltens in Bezug auf Verpackungen. Bei einem Bringsystem zu den Wertstoffhöfen ist es meistens so, dass die Wertstoffe nur nach Material sortiert angenommen werden. Somit sollte der Müll bereits im Haus getrennt werden. Der Prozess der Mülltrennung hat auch den Sinn das Kaufverhalten zu überdenken und hoffentlich häufiger zu Mehrweg-Verpackungen oder Lebensmitteln ohne Verpackung zu greifen. „Indem man einfach alles in den Sack wirft ist es somit aus den Augen, aus dem Sinn."

Zudem fallen in der Regel bei der Wertstofferfassung mit einem Abholsystem, wie dem Gelben Sack, über 20% an Fremdkörpern als Sortierreste an, die bei Wertstoffhöfen und häuslicher Trennung vermieden bzw. vor Ort aussortiert werden.

Im Hinblick auf die Vermeidung von Abfällen, hat unterm Strich kein Erfassungsystem entscheidende Vorteile. Laut einer Untersuchung des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz sowie der Fachhochschule Kempten ist „die Ökoeffizienz der sortenreinen Erfassung am Wertstoffhof ähnlich der Holsysteme“, die sich untereinander auch in der Ökobilanz kaum unterscheiden. Allerdings kommen laut der Studie im Vergleich zu bereits bestehenden Wertstoffhöfen erhöhte Kosten mit einem Holsystem, wie dem Gelben Sack, auf die Bürger bzw. den Landkreis zu. Neben der Abfuhr der Leichtverpackungen müssen weiterhin Wertstoffhöfe für Sonder- oder Sperrmüll o.ä. vorgehalten und finanziert werden.

Die Diskussion über das bessere Wertstoff-Erfassungssystem greift auch zu kurz, da der Ressourcenverbrauch und die Umweltkosten bisher nicht betrachtet werden und sich auch im Kaufpreis nicht widerspiegeln.

Mögliche Maßnahmen für Behörden vor Ort wären eine Aufklärungskampagne zum Thema Abfallvermeidung zu starten, das Umwelt-Bildungsinstitute stärker in den Unterricht der Schulen einzubinden und die Trennung der Wertstoffe in öffentlichen Gebäuden konsequenter zu betreiben.

Seitens der Bundespolitik ist die Umsetzung der langjährigen ÖDP-Forderung einer steuerlichen Entlastung der Arbeit bei gleichzeitiger zunehmender Besteuerung von Energie- und Ressourcenverbrauch zu forcieren. Ebenso sehen die Ökodemokraten den Handel bzw. die Hersteller in der Pflicht, ihre Produkte möglichst verpackungsarm anzubieten.
Außerdem meint JÖ-Mitglied Esther Wagenhäuser: "Jeder Einzelne kann durch eine längere Nutzung bzw. Reparatur alter Geräte oder dem Kauf von gebrauchten Gegenständen und einer kreativen Nachnutzung von Dingen sogenanntes „Upcycling“, zu mehr Abfallvermeidung beitragen".

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