14.05.2017

Bundestagswahl und Plastik-Problematik

Bei der Bundestagswahl im Herbst 2017 geht Hannes Eberhardt im Wahlkreis Regensburg für die ÖDP als Direktkandidat ins Rennen. Anlässlich seiner Nominierung haben die Jungen Ökologen im Mai ein Interview mit ihm geführt.

Hannes Eberhardt - Bundestagskandidat der ÖDP Regensburg

Herr Eberhardt, Gratulation zur Ihrer Nominierung als Direktkandidat der ÖDP für die Bundestagswahl 2017. Mit welchen Themen gehen Sie in den Wahlkampf?

 

Es gibt einige Themen anzupacken. Angefangen mit der Energiewende: das bedeutet für mich den Sofortausstieg aus Kohle und Atom und die Abkehr von Erdöl. Die Energiewende ist als Klimaschutzmaßnahme zum Erhalt unserer Lebensgrundlagen absolut notwendig.

Als nächstes die Verkehrswende: ÖPNV und Radverkehr muss gefördert und gleichzeitig der Raum für Autos in unseren Städten beschränkt werden. Güterverkehr muss auf die Schiene verlagert und Flugverkehr durch Besteuerung endlich einschränkt werden.

Damit die Politik dem Gemeinwohl dienen kann, müssen Konzernspenden an Parteien verboten werden. Ökologische Landwirtschaft ist zu fördern, das heißt pestizid- und gentechnikfrei. Dabei wollen wir kleine und mittlere landwirtschaftliche Betriebe unterstützen. Außerdem wichtig ist die bisher wenig beachtete Problematik von Plastik als eine Bedrohung für die Gesundheit der Menschen. Diese Auswahl an Themen ist zwar schon umfangreich, aber noch lange nicht vollständig.



Die Plastik-Problematik findet tatsächlich immer noch zu wenig öffentliche Beachtung. Worin besteht die Gefahr von Plastik und wie gelangt es in unsere Nahrungskette?

Plastik tragen wir alle mittlerweile in kleinsten Partikeln in uns. Über die Nahrungskette ist Plastik bereits zu uns auf den Teller gelangt. Es wirkt beim Menschen krebserregend und gefährdet zudem die Fruchtbarkeit. Plastik gelangt in die Weltmeere, bildet riesige Strudel und zerreibt sich in immer kleinere Teilchen, das von Fischen aufgenommen wird und in unseren Mägen landet. Nicht einmal Klärwerke können kleinste Plastikteile, die sich beispielsweise bei jedem Waschgang von Kunstfaser-Kleidung oder beim Abrieb von Spülschwämmen lösen, nicht mehr herausfiltern, so dass sie in unser Trinkwasser gelangen. Immer mehr Kleidung besteht aus Polyester oder ähnlichen erdölbasierten Materialien. Dieses Problem ist beispielsweise noch gar nicht groß bekannt. Daher muss Mikroplastik in Peelings und Zahnpasta usw. so schnell wie möglich verboten werden und zwar weltweit. Hierzulande boomen gerade verpackungsfreie Läden, das ist ein erster kleiner Schritt, die Plastik-Paradiese Supermarktketten zum Umdenken zu bewegen. Auch von der rasant gestiegenen Einwegquote müssen wir zur Not per Gesetz gegensteuern. Die freiwilligen Appelle an die Industrie hatten nur zur Folge, dass Coca-Cola sich vom Mehrwegsystem komplett verabschieden will und bereits jetzt jährlich mehr als 100 Milliarden Wegwerfplastikflaschen produziert.



Kann man das Problem mit Recycling lösen oder zumindest eindämmen?

Plastik muss per Gesetz reduziert werden. Freiwillige Selbstverpflichtungen aus der Vergangenheit haben zu nichts geführt. Recycling ist natürlich der nächste Schritt. Leider werden in Deutschland nicht einmal drei Viertel der Plastikabfälle recycelt. Der Rest landet in der Müllverbrennung und immer noch auf Deponien, wo es auch unser Grundwasser verseucht. Plastik besteht aus Erdöl. Mit unserer Abkehr vom Erdöl und beispielsweise einer hohen Steuer auf Produkte aus Erdöl können wir weitere Schritte gehen. Zunächst können wir aber auch schon lernen, Müll zu vermeiden, in plastikfreie Läden gehen und selber unsere Behälter mitbringen. Jeder kann zunächst bei sich anfangen. Die grobe Richtung muss aber die Politik vorgeben.



Sind Verpackungsmaterialien aus nachwachsenden Rohstoffen ein Gewinn für die Umwelt?

Probleme bei der Entsorgung und Wiederverwendung wurden hierbei leider noch nicht gelöst, so werden kompostierbare Plastiktüten zum Beispiel immer noch aus den Kompostieranlagen aussortiert, da sie langsamer verrotten. Aber alles, was ohne Erdöl auskommt, ist schon ein kleiner, guter Schritt. Natürlich sollten die Materialien dafür nicht auf Monokulturfeldern angebaut werden, die sonst der Nahrungsmittelproduktion dienen und für die womöglich Wald abgeholzt werden musste.



Was halten Sie vom bestehenden Mülltrennungs- und Wiederverwertungssystem?

Durch das System mit dem Gelben Sack sind viele Menschen der Meinung, der komplette Inhalt würde wiederverwertet. Schön wär’s. Nur knapp über 44 Prozent waren es in Deutschland beispielsweise im Jahr 2014 (Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen). Wir Deutschen behaupten ja auch gern, wir wären Mülltrennungsweltmeister: das klappt mit Papier, Glas und Restmüll auch ganz gut. Es gibt in Deutschland nur wenige Menschen, die ihren Müll nicht trennen. Trotzdem ist in Deutschland der Papierverbrauch weltweit am höchsten. Der Anteil am Recyclingpapier zwar auch, aber der kann das Abholzen von Wald für Papier auch nicht kompensieren. Und bei den Coffee-to-Go-Bechern hört der Spaß dann auch wieder ganz auf. Eine unfassbar große Zahl der innen mit Kunststoff beschichteten Wegwerfbecher landet täglich in überquellenden Mülleimern. Auch hier gibt es vor allem in Großstädten bereits viele Initiativen, die mit Mehrwegbechern dagegen vorgehen wollen. Auch hier bin ich der Meinung, dass sobald der Mensch dabei ist, für sich und Natur Schaden anzurichten und seine Zukunft dadurch zu gefährden, muss der Staat seine ordnungspolitische Aufgabe wahrnehmen und die Richtung vorgeben, etwa mit finanziellen Anreizen zur Nutzung von Mehrwegbechern, denn wie man sieht, wird sonst der Kapitalismus und die Gier über Mensch und Natur siegen.



Herr Eberhardt, vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch!